Nachdem in Australien und Neuseeland die Natur im Fokus stand, war Südkorea eher als Kulturprogramm angedacht.
Innerhalb einer Woche sind wir auf dem Seoul Trail einmal um die Stadt gewandert, außerdem sind wir den beeindruckenden 20 km Weg durch Seoul immer entlang der alten Stadtmauer gelaufen.
Eines wird schnell klar: Koreaner sind noch wanderverrückter als die Deutschen. Hier wird Wandern mit perfekter Outdoorkleidung zelebriert. Am Wochenende herrscht totales Gewusel und unter der Woche laufen viele Rentner durch Outdoor-Fitnessparks, einige davon barfuß. Hunde werden in Kinderwagen spazieren gefahren. Außerdem gibt es überall Überwachungskameras, selbst im Wald. Und manchmal spricht einen plötzlich eine Stimme auf Koreanisch an, während man einfach nur vorbeiläuft. Leicht dystopisch, aber gleichzeitig völlig normal hier. Alles ist sauber, organisiert, gesittet. Selbst die Toiletten – die spielen Musik.
Seoul ist vor allem eines: ein kulinarischer Dauerzustand. Zwischen Trail-Abschnitten gab es eigentlich immer nur eine Frage: Was essen wir als nächstes? Bibimbap im kleinen Bistro, Gimbap an der Metrostation, scharfe Reiskuchen (aus Versehen bestellt und trotzdem gegessen), Dumplings, süßes Gebäck, Pfannkuchen, Snacks an jeder Ecke und natürlich: Korean BBQ am Abend.<br>Für uns dabei neu, man bekommt zum Essen oft eine Schere als Besteck. Damit wird das Fleisch dann einfach am Tisch zerschnitten – praktisch und irgendwie sehr logisch. Und egal ob Markt, Imbiss oder Restaurant – das Essen war durchgehend richtig gut. Selbst zufällige Stopps wurden zu Highlights. Einmal landeten wir in einem vollen Restaurant und aßen Schnecken. Hätten wir nie bestellt. War aber hervorragend.
Die Aussicht? Oft… sagen wir mal: diffus. Smog begleitet uns fast täglich. Viele Menschen tragen Masken und auch wir merken schnell warum. Trotzdem hat die Stadt etwas Beeindruckendes – diese Mischung aus Bergen, Hochhäusern und Tempeln.
Man läuft über Grate mit Blick auf die Millionenstadt, steigt durch Wälder und steht plötzlich wieder an einer vierspurigen Straße oder vor einer Shopping Mall. Unser Südkorea-Ausflug war keine typische Wanderung, aber eine für uns passende Art des Sightseeings.
Und dann war da noch… BTS
Während wir wandern, bekommen wir eine Warnung vom Auswärtigen Amt: Großveranstaltung in der Stadt, bitte Menschenmengen meiden.
Wir: Okay? Was ist denn da los?
Antwort: Konzert von BTS.
Nie gehört.
Kurze Recherche später: aktuell erfolgreichste Popband der Welt.
Die Menschenmassen und den Hype meiden wir dann lieber und laufen an den beiden Tagen Ausnahmezustand am entgegen gesetzten Ende der Stadt auf dem Trails weiter.
Heute morgen sind wir in Japan gelandet und sitzen bereits im Shinkansen nach Hachinohe – von dort wollen wir den 1000 Kilometer langen Michinoku Coastal Trail nach Süden wandern.









