Thilo allein in Spanien: Auf dem GR 1

450 km in 13 Tagen – von Empúries nach Graus

Ein Rucksack, ein Zelt und unzählige Kilometer vor mir – so begann mein Abenteuer auf dem GR 1, einem der weniger bekannten, aber beeindruckenden Weitwanderwege Spaniens. Mein Ziel: Wenn möglich von Empúries am Mittelmeer bis zu den Picos de Europa zu laufen. Allein mit meinen Gedanken, der Natur und den täglichen Herausforderungen.

Erste Schritte: Von Stränden und Feldern

Der Start in Girona war noch entspannt – ein Frühstück, dann der Bus nach L’Escala. Doch kaum auf dem GR 1, wurde es ernst: Strände, Felder, Wälder und schließlich Regen. Wasser war nicht immer leicht zu finden, aber ich lernte schnell, Friedhöfe und abgelegene Höfe als Quellen zu nutzen.

Täglicher Rhythmus: Laufen, essen, schlafen

Mein Tagesablauf wurde schnell zur Routine. Früh aufstehen, meist gegen 7:15 Uhr, eine kurze Mahlzeit und dann los. Stundenlanges Wandern auf wechselnden Untergründen – Asphalt, Schotterwege, steinige Pfade. Unterwegs Stopps in kleinen Bars für einen Kaffee oder ein „Menú del Día“.

Ein Highlight: Besalú, eine mittelalterliche Stadt mit beeindruckender Brücke. Doch auch die Einsamkeit in den Bergen hatte ihren Reiz. Nächte auf 400 Metern Höhe oder im Schuppen eines verlassenen Ferienhauses – die Einfachheit des Lebens wurde spürbar.

Ein Umweg, der sich gelohnt hat: Atemberaubende Gratwanderung

Einer der schönsten Tage dieser Tour war der, an dem ich den GR 1 kurz verließ. Ich folgte einem Gratweg, der mich über eine spektakuläre Höhenlinie führte. Links erstreckte sich ein Wolkenmeer bis zum Horizont, während ich selbst in der Sonne lief. Rechts ragten die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen auf – ein atemberaubender Kontrast.

Der schmale Pfad schlängelte sich über felsige Kuppen, gelegentlich unterbrochen von kleinen Bäumen, die sich im Wind bogen. Eine Landschaft wie aus einer anderen Welt, die den Umweg mehr als wert war.

Wetterextreme: Eimerweise Regen, Schnee aber auch Sonnenschein

Das Wetter spielte eine große Rolle. Regen sorgte für nasse Wege und klamme Kleidung, doch auch Schnee begleitete mich auf Höhen über 1.000 Metern. An manchen Tagen war ich klatschnass, an anderen überraschte mich die plötzliche Wärme, die mich erstmals ohne Fleecepullover schlafen ließ.

Die Schlucht Mont-Rebei – und plötzlich Touristen

Ein weiteres Highlight der Tour war die bekannte Schlucht, die der GR 1 durchquert. Die hohen Felswände, die sich steil über den Fluss erhoben, waren beeindruckend – und plötzlich war ich nicht mehr allein. Hier traf ich zum ersten Mal auf andere Menschen: Touristen, die die Schlucht als Tagesausflug besuchten.

Herausforderungen: Wasserknappheit und nächtliche Besucher

Es gab Tage, an denen ich kaum Wasser fand. Quellen waren versiegt, Wasserhähne in Dörfern abgestellt. Ich lernte, meine Vorräte besser einzuteilen.

Hunde waren meist harmlos, auch wenn einige auf Bauernhöfen laut bellend ihren Hof verteidigten. Interessanter waren die Wildschweine, die nachts oft in der Nähe meines Zeltes unterwegs waren. Sie schnaubten und raschelten im Unterholz – eine gewöhnungsbedürftige, aber spannende Geräuschkulisse.

Und es geht weiter…

Morgen ziehe ich weiter, der Weg ruft. Was mich erwartet? Die verlassenen Landschaften von Aragon. Ich freue mich auf verlassene Dörfer und einsame Natur.

1 Kommentar zu „Thilo allein in Spanien: Auf dem GR 1“

  1. Schon toll!
    Ganz alleine auf Tour ist schon zu bewundern.
    Wünsche Dir weiterhin viel Spaß und viele tolle Eindrücke.
    Vor allen Dingen komm gesund wieder zurück.

    Christel und Manfred

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